Der folgende Beitrag soll Ihnen einen Überblick über den Begriff der Erholung geben sowie einige Tipps bereitstellen, wie Sie Erholung im Anschluss an die Arbeit bspw. gestalten können.

Was ist Erholung?

Jede Person hat eine unterschiedliche Auffassung von Erholung, basierend auf individuellen Eigenschaften und Erfahrungen. Auch in der Psychologie ist das Konzept uneinheitlich definiert. Klar ist jedoch, dass durch Erholung ein Ausgleich von Über- und Unterforderung entsteht und Ressourcen wie Energie nach der Konfrontation mit Stressoren wie Zeitdruck wiederhergestellt werden. Erholungsaktivitäten können verschiedene Kategorien wie körperliche Aktivitäten und kreative Tätigkeiten umfassen, wobei jeder Begriff wiederum individuell interpretiert werden kann, z.B. kann Sport Joggen im Park oder Bouldern in der Halle bedeuten. Weiterhin erstrecken sich Erholungsaktivitäten über soziale, mentale, spirituelle, virtuelle und Outdoor-Dimensionen.

Warum ist Erholung wichtig?

Arbeit zählt zu den größten Stressfaktoren und kann sowohl die körperliche Gesundheit (z.B. Bluthochdruck, Schlafstörungen) als auch die mentale Gesundheit (z.B. Angststörungen, Depressionen) beeinträchtigen. Um diese negativen Auswirkungen zu verhindern oder zu reduzieren, ist Erholung entscheidend. So kann Erholung das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit fördern, während unzureichende Erholung zu anhaltendem Stress führen kann.

Wie erhole ich mich am besten? 

Eine wichtige Komponente der Erholung stellt das Detachment dar. Es bedeutet, sich mental von der Arbeit zu lösen und damit aufzuhören, über seine Arbeit und berufsbezogene Probleme oder Möglichkeiten nachzudenken. Das heißt, je mehr Sie bei einer Erholungsaktivität das Gefühl haben, von Ihrer Arbeit entfernt zu sein, desto besser werden Sie sich erholen. Hierzu ein paar Beispiele:

  • Eine Person, die in ihrer Arbeit viele mentale Ressourcen verwendet, wenig körperliche Anstrengung benötigt und den Tag hauptsächlich in einem stillen Büro verbringt (z.B. Angestellte im Bürgeramt, Bibliothekar:innen, IT-ler:innen oder Data Scientists), könnte von einem Teamsport im Freien (wie bspw. Beachvolleyball) profitieren.
  • Im Gegensatz dazu könnte eine Person, die körperlich arbeitet, wenig nachdenken muss und deren Kommunikation durch laute Geräusche erschwert wird (z.B. Bauarbeitende oder Lieferant:innen), von einem Schach- oder Gesellschaftsspiel in einem ruhigen Park profitieren. 

Hieran wird deutlich, dass auf der Grundlage von unterschiedlichen Job-Charakteristika auch unterschiedliche Erholungsbedürfnisse entstehen können.

Quellen

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Wann erhole ich mich am besten?

Erholung kann sowohl während des Arbeitstages in Form von Mikropausen oder längeren Arbeitspausen stattfinden als auch außerhalb der Arbeit in der Freizeit am Feierabend, an Wochenenden oder in Form von längeren Auszeiten (Urlaube, Sabbaticals) erfolgen. Hinsichtlich der Mikropausen kann bspw. ein kurzes Nickerchen ratsam sein, da es die Konzentration steigern und die mentale Erschöpfung reduzieren kann, indem es dem Gehirn das Wieder-Auffüllen von Energieressourcen ermöglicht.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Bei einer effektiven Erholung werden Ressourcen (wie Energie) wiederhergestellt, nachdem sie durch Stressoren (wie Zeitdruck) aufgebraucht wurden. 
  • Erholung ist wichtig, um die negativen Auswirkungen der Arbeit zu reduzieren und langfristigen physischen und mentalen Beeinträchtigungen vorzubeugen.
  • Erholung erfolgt mit Detachment, unterscheidet sich also hinsichtlich der Aktivitätscharakteristika, die der Erholung dienen sollen, stark von der eigenen Arbeitsaktivität.
  • Erholung kann sowohl während des Arbeitstages bspw. in Form von Mikropausen oder auch außerhalb der Arbeit bspw. in Form von längeren Auszeiten erfolgen.
  • ABER: Welche Aktivitäten zu welchem Zeitpunkt von welcher Dauer wirklich als erholend erlebt werden, kann sich von Person zu Person unterscheiden und hängt von vielen Faktoren (wie bspw. von den Job-Charakteristika) ab!